Proteste bei "Markttage der Zeitarbeit" – Desaster? Desaster!

Sklavenmarkt

Man könnte ja mit dem Negativen zur Manöverkritik der Proteste anfangen und womöglich wehklagen darüber, dass sich die Akteure aus verschiedenen Gruppen und Initiativen etwas verzettelten. Ihre eigentliche Masse – es waren vielleicht um die 10.000 ? ;-) - kam nicht wirklich zur Geltung. So war es auch bei aktionistischen Einlagen, wo die Einen jenes, die Anderen dieses machten.

Man könnte aber auch mit dem Positiven beginnen:

... dass gerade das Diffuse des Protestes ein Heer von Sicherheitskräften und aufgeschreckten Mitarbeitern der Zeitarbeitsmesse in Atem hielt. Polizei und Feuerwehr kamen auch auf ihre Kosten und das sicher ganz im Sinne des Wortes.
Die Demonstranten waren einfach überall. Vor dem Gebäude mit zahlreichen Transparenten, an den Tischen der Zeitarbeitgeber, in den Fluren und auf den Klos.

Schon mehrfach waren die Toiletten das Ziel von Anschlägen. Nach Berichten auf Indymedia werden diese offenbar mit einem schnell bindenden Zementgemisch zubetoniert. Und tatsächlich wurden vor einiger Zeit die Toiletten der ARGE Mitte erneuert.

AbrissbirneEinen größeren Schaden hätte es womöglich gegeben, wenn das mit der Abrissbirne geklappt hätte. Jemand ließ die Kugel in Schwungdistanz zu den Fenstern der Zeitarbeitsmesse bedrohlich hin und her schwenken. Unter ständiger Beobachtung der Polizei! Aber die Aktion entpuppte sich zunächst als eine „Trainingsmaßnahme“, die beim Polizei-Einsatzleiter zudem als „Kunstaktion“ durchging, weshalb sich der Akteur auch als Künstler äußern durfte: “Wir müssen heraus kriegen, welche Höhe und welchen Schwung es braucht, damit wir im Falle der sozialen Revolution bereit sind.“

Laute Musik und diverse Redebeiträge; Bewerber, die nur gekommen sind, um abzusagen; fürchterliche Stinkbomben und ein Feuerwehreinsatz; hinzu gerechnet, dass diese „10. Markttage der Zeitarbeit“ auf Grund angekündigter Proteste bereits im Vorfeld für reichlich Vorkehrungen und Nervosität sorgten, da kann man es in der Auswertung seitens der Veranstalter eigentlich doch nur als ein „Desaster“ archivieren.

Vergiftete Atmosphäre

Da nutzen keine zynisch zurecht gelegten Gummibärchen, Feuerzeuge u.ä. Angebote. Die Atmosphäre war vergiftet, was dem Anliegen und Anspruch einer solchen Werbe-Veranstaltung total widersprechen dürfte.
Und sie wird vergiftet bleiben, solange der Diskurs um „Leiharbeit“, „Mindestlohn“ und „Arbeitszwang“ im Zusammenhang mit „Sanktionsandrohungen“ fortan immer wieder an solche öffentlichen Orte getragen werden wird.
Will man sich dem entziehen, wird man zukünftig ein Stacheldraht umzäuntes Gebäude benötigen oder für potenziell interessierte Leiharbeiter Kaffee-Fahrten zu geheimen Orten organisieren müssen.

Für die Veranstalter der "10. Kölner Markttage Zeitarbeit" ist seit heute alles anders als neun „Markttage“ zuvor!

AbrissbirneKleines Detail am Rande:
Die Polizei versuchte (nicht zum ersten Mal), die Demonstranten mit einer Videokamera zu filmen. Angesprochen auf dieses illegale Verhalten, sagte der Einsatzleiter, dass dies zur Dokumentation von Straftaten sehr wohl erlaubt wäre. Erst nach mehrfacher Aufforderung schritt er dann endlich zur Löschung, weil das Aufhängen eines Transparents doch nicht ganz den Tatbestand einer Straftat erfüllte. Da den Anwesenden verboten wurde, den Löschvorgang zu kontrollieren, kann dieser natürlich genauso wenig bestätigt werden wie die nachträgliche Aussage des Polizisten, es wäre gar nicht gefilmt, sondern die Videokamera wäre mangels Alternativen als Fotoapparat benutzt worden. Was, nebenbei bemerkt, auch keinen Unterschied gemacht hätte.

Nach den Protesten gegen den „Markttag“ wurde noch von einigen AktivistInnen eine Mahnwache gegen Arbeitsunfälle auf dem Rudolfplatz abgehalten.

Weitere Berichte und Bilder über die Aktion: