Erster 'Zahltag!' vor der ARGE Köln

Zahltag

AktionsCamp vor der ARGE Köln

Da staunten die Mitarbeiter der ARGE in der Luxemburger Straße nicht schlecht, als ein Großraum-Zelt bereits am frühen Morgen des 1. Oktober 2007 direkt vorm Eingang stand. Eine mit Gas geheizte Küche, Tische, Sitzbänke, Schlafsäcke und Decken kamen hinzu, Transparente wurden an die Schaufenster der ARGE gehangen, Lautsprechertechnik mit Strom-Aggregat installiert, eine improvisierte Bühne, Video-Beamer, ... keine Frage, hier sind Leute gekommen, um zu bleiben!

Das Motto hieß 'Zahltag!' und bezieht sich auf den Umstand, dass immer wieder viele Erwerbslose zum Monatsanfang kein oder zu wenig Geld überwiesen bekommen. Den vorgeblichen Gründen hierfür (Fehlberechnungen, Softwareausfall, Sanktionen) stellten zeitweise bis zu 160 Demonstranten das GRUNDRECHT auf ein menschenwürdiges Leben gegenüber. Mit Erfolg! Vor allem die erfahrenen Beistände der »Die KEAs e.V.« (Kölner Erwerbslose in Aktion e.V.) konnten im Verlaufe der zwei Tage in konkret 13 Fällen für Betroffene eine Barzahlung erwirken und weitere Probleme klären helfen. Auch die bekannte Wuppertaler Beratungsgruppe »Tacheles« war mit einem Infotisch vor Ort, das »Erwerbslosen-Forum-Deutschland«, die »Sozialistische Selbsthilfe Köln« (SSK), die Initiative »Kunststimmen gegen Armut«, gegen Abend kam die »Montagsdemo«.

Es waren Erwerbslose, die zur Aktion mobilisierten, die organisierten, die Spenden sammelten und selbst sogar spendeten(!), das beachtliche Equipment zu finanzieren. Weitere Erwerbslose schlossen sich spontan während der Aktionstage den Protesten an. Aber auch Studierende, berufstätige Künstler, Journalisten, Rechtsanwälte, Akademiker, Arbeiter und Angestellte unterstützten personell und demonstrativ die Ziele der Aktion. Und sie kamen nicht nur aus Köln. Einer der in Kampfmontur uniformierten Polizisten der bereitgestellten Hundertschaft diktierte es der zahlreich anwesenden Presse ins Mikrofon: „Die Schere zwischen arm und reich wird immer größer. Die Leute hier haben doch Recht!“

Hartz IV betrifft ALLE!

Gegen 10.00 Uhr war es dann soweit. Auf allen Etagen der ARGE und vor dem Gebäude stationierte Polizisten konnten nicht verhindern, dass die Demonstranten von „ihrem Hausrecht“ Gebrauch machten. Es kam zu einem brutalen Versuch der Polizei, einzuschreiten, was für peinliche Bilder von prügelnden Polizisten in einer deutschen ARGE sorgte. (U.a. RTL berichtete noch am selben Abend, die Nachrichten im Radio nannten es „Randale in der ARGE Köln.“) Und dennoch: Das Foyer war besetzt und blieb es bis zum Abend!
Während nicht wenige Leute (unter ständiger Polizeibeobachtung) bei klasse Live-Musik und lecker Essen und Trinken auch über Nacht vor oder im Zelt die Stellung hielten, ging's am Dienstag erneut ins ARGE-innere. Im Rahmen einer Spontan-Aktion gelang es den Demonstranten sogar Polizei und Security zu überlisten und ca. 50 Leute konnten kurzzeitig die fünfte Etage stürmen. Einem „verdienstvollen“ ARGE-Mitarbeiter wurde hier in Form eines Öl-Gemäldes die wenig schmeichelhafte Auszeichnung „Das goldene A“ verliehen. Da der ARGE-Geschäftsführer Josef Ludwig höchst selbst in Vertretung seines Mitarbeiters das Gemälde in Empfang nahm, war es letztlich sein Anzug, der von der noch nicht trockenen Ölfarbe was abbekam. Klammheimliche Freude wird erlaubt sein. Ludwig legt Wert auf seinen „Sportsgeist“ und ist kein Alg2-Empfänger!

Am Ende des AktionsCamps zeigten sich alle Teilnehmer SEHR zufrieden und wollen die positive Stimmung in nächste Aktionen retten. Anneliese Camper versucht es im Rahmen ihres Resümees auf den Punkt zu bringen: „Der immer wieder beschworene Prozess, sich zu organisieren, in Köln hat er stattgefunden! Und wir sind gut vernetzt! Frau Merkel, Herr Müntefering, Frau Bredehorst, Herr Ludwig, PAPs und Fallmanager:

„Wir sind keine Bittsteller, wir sind aufgestellt und bereit, für unsere Würde zu kämpfen!“



Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=Yvbtx01QBHw



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