Erfolgreicher Protest an der Uni-Bibliothek gegen Gebühren für Erwerbslose

Wir wollten kämpfen, aber der Leiter der Universitäts- und Stadtbibliothek in Köln, Wolfgang Schmitz, gab sich kampflos geschlagen.

Vielleicht 15 KEAs u.a. Mitstreiter aus der 'Zahltag!'-Kampagne trafen sich am 14.12.2009 gegen 11:00 Uhr vor der Uni-Bibliothek und waren auf so einiges vorbereitet. Genügend Transparente, Flugblätter, Schlafsäcke und vor allem gute Argumente waren parat, von einer Bürobesetzung bis zum solidarischen Aufstand im öffentlichen Raum war alles denkbar.

Der Grund war die Ankündigung der Bibliothek, seit 07.12. dieses Jahres Bibliotheksgebühren einzuführen. Zwar werden Studierende, Schüler und Auszubildende hiervon ausgenommen, Erwerbslose sollten jedoch die volle Jahresgebühr in Höhe von 20,- Euro auf den Tisch legen. Bereits im Vorfeld äußerte man den Unmut per Mails, erfuhr aber bisher nur abschlägige Antworten darauf.
In Begleitung einiger Presse- und Radiojournalisten begab man sich gezielt zum Chefbüro. Der hieß die Demonstranten herzlich willkommen und stellte sich Rede und Antwort.

Ein KEA übernahm die Rede und verwies auf den Umstand, bereits als Kind wegen seiner sozialen Herkunft von höherer Bildung ausgeschlossen worden zu sein und nunmehr wiederum, weil er von Hartz IV betroffen sei. Und Schmitz antwortete:

“Ich muss mich da entschuldigen und gestehen, die sozialen und finanziellen Bedingungen nicht im Blick gehabt zu haben. Sie haben Recht, es kann nicht sein, dass wir jemanden ausschließen aus finanziellen Gründen. Wir nehmen das ernst, auch ihren Anspruch auf Bildung.“

So einfach kann 's gehen! Noch im Verlaufe einer Woche soll über eine Korrektur nachgedacht, entschieden und die heutigen Gäste (und Bibliotheksnutzer) darüber informiert werden.

Inzwischen gibt es Nachricht von der Bibliothek: Inhaber eines Köln-Passes sind befreit und mögen beim nächsten Besuch bei der Anmeldung vorsprechen. Ein KEA-Redakteur hat es schon erfolgreich ausprobiert!

Nebenbei wurde auf Wunsch der Bibliotheksleitung vereinbart, dass die Printausgabe des Kölner Erwerbslosen-Anzeigers, der sich zwischenzeitlich im siebten Jahrgang befindet, zukünftig Bestandteil der „Rheinischen Abteilung“ der Bibliothek werden soll.

Bilder zur Aktion gibt es auf Arbeiterfotografie.