Das Interesse am Überlebenshandbuch, dem Kölner Erwerbslosen-Anzeiger und anderen Info-Materialien war riesig. Riesig auch die Probleme der Betroffenen in der Eingangszone des Jobcenters Köln-Kalk, das am Morgen des 2. Februars 2012 wiederholt Besuch bekam. Ca. 20 bis 30 Menschen waren plötzlich, aber nicht unerwartet, einfach drin. Sie eröffneten das Gespräch mit den 100 Wartenden, schenkten Kaffee aus und übten (erfolgreich!) eine gegenseitige Solidarisierung. Anders als in den vergangenen Monaten: Mit Duldung des Sicherheitsdienstes! Ohne Polizei!

"Das übliche Prozedere", Erwerbslose tauschen sich in der Wartezone des Jobcenters über ihre Situation und ihre Rechte aus, lesen dabei das Überlebenshandbuch, während die Hauswächter die Polizei rufen, fiel am 02. Januar 2012 etwas unüblich aus. Eine spontane Demonstration trug den Protest nach draußen.
Erneut kam es am 3. November 2011 zu Unruhen in der Wartezone des Jobcenters Köln-Kalk und zu einem Polizeieinsatz.
Erwerbslose solidarisieren und organisieren sich in der Wartezone, singen Protestlieder, schenken Kaffee aus, diskutieren. Irritation im Jobcenter und bei der Polizei.
Kann es sein, dass es unter den sieben Jobcenter-Standorten in Köln einen innerbetrieblichen Wettbewerb gibt, wer am häufigsten die Polizei ruft? Die Frage erscheint insofern interessant, weil sich selbst die gerufenen Polizisten nicht immer erklären können, weshalb ihre Anwesenheit Not tun sollte.
Plötzlich standen sie vor der Tür. Knapp 20 Menschen aus dem Spektrum selbstorganisierter Erwerbsloseninitiativen protestierten vor dem Rheinischen Bildungszentrum (RBZ) in der Geestemünder Straße in Köln, wo am Montag neue Teilnehmer vom Jobcenter dem Psychiater zwangszugewiesen wurden. Eine nervende Endlosschleife wichtiger Informationen wurde über eine geeignete Anlage abgespielt und Info-Blätter verteilt. Die vorbereiteten Redebeiträge sorgten für Unruhe, aber auch für Applaus unter den Teilnehmern der Maßnahme.
Viel zu oft sind wir zum Zuschauer degradiert bei inszenierter Politik und inszenierter Demokratie. Es scheint an der Zeit, die Zuschauerränge zu verlassen, um zur Tat zu schreiten.

Über 30 Grad im Schatten und über 30 Aktivisten der 'Zahltag!'-Kampagne machten heute der ARGE in Köln Porz den Alltag etwas schwerer. Auf dem Vorplatz wartete das mobile 'Café Zahltag!' (Demnächst an wechselnden Orten in Köln!) mit Musik, Redebeiträgen, Kaffee und Frühstück auf. Im Gebäude nervten Vuvuzelas, Megaphone und jede Menge schwärmender KEAs, die als Beistände aktiv waren.

Man könnte ja mit dem Negativen zur Manöverkritik der Proteste anfangen und womöglich wehklagen darüber, dass sich die Akteure aus verschiedenen Gruppen und Initiativen etwas verzettelten. Ihre eigentliche Masse – es waren vielleicht um die 10.000 ? ;-) - kam nicht wirklich zur Geltung. So war es auch bei aktionistischen Einlagen, wo die Einen jenes, die Anderen dieses machten.
Man könnte aber auch mit dem Positiven beginnen: