Das Rheinische BildungsZentrum (RBZ) und seine zweifelhaften Methoden

Pressemitteilung / Die KEAs e.V. vom 23.05.2011

Seit einigen Jahren bereits bietet das RBZ in Köln in engster Zusammenarbeit mit dem Jobcenter eine sogenannte „Trainingsmaßnahme“ für von Hartz IV betroffene Menschen an.

Wenn die Sachbearbeiter der Jobcenter dabei von „Arbeitserprobung“ sprechen, verschleiern sie die komplexen Inhalte jener „Maßnahme“. Der Begriff „Leistungsdiagnostik“ - mit Betonung auf „Diagnose“ - trifft es schon eher.

Die Teilnehmer werden zum Arzt und Psychiater des RBZ geschickt! Ob das unter dem Begriff „Trainingsmaßnahme“ durchgehen darf; ob die Teilnehmer tatsächlich über den vollen Umfang und Tragweite der „Maßnahme“ informiert sind, darf bezweifelt werden. Wer die „Maßnahme“ verweigert, wird in aller Regel finanziell gekürzt.

Am Ende der vierwöchigen „Leistungsdiagnostik“ wird dem jeweiligen Sachbearbeiter des Jobcenters ein 22-seitiges Gutachten übergeben, das man durchaus auch einen sowohl „medizinischen“ als auch „psychopathologischen Befund“ nennen darf und nach Einschätzung der KEAs grundsätzlich nichts in den Händen eines Arbeitsvermittlers zu suchen hat.

Die KEAs weisen zudem auf die zweifelhaften und sehr umstrittenen wissenschaftlichen Methoden, wie Faktorenanalyse und IQ-Tests (z.B. I-S-T 2000 R) hin, die von den Jobcentern als Erkenntnisgewinn benutzt werden. Dabei sind diese Konzepte voller Fehlannahmen und Zirkelschlüsse. „Intelligenz ist das, was ein Intelligenztest misst.“ Schon solche wilden Behauptungen zeigen den Mangel an Mitsprache und (interdisziplinärer) Redlichkeit. Hier schwingen sich RBZ und Jobcenter zu Sachwaltern der Menge menschlichen Geistes auf und es darf nicht vergessen werden, dass selbst die Psychologen höchst unterschiedliche Einschätzungen von der Tauglichkeit eines IQTests haben. Solche Methoden sind bereits fragwürdig, wenn man sie freiwillig absolviert. Aber um wie viel mehr werden sie zur aktiven Selbstentfremdung, wenn man zu ihnen gezwungen wird? Das Abbild, das die Psychologen des RBZ erstellen, wird dann vom Vermittler des Jobcenters verwaltet und ist geeignet, es zu Ungunsten einer Selbsteinschätzung zu bevorzugen.

Köln, 23.05.2011