Befristete Hausbesetzung. Mit Erfolg!

Gestern, am 3. Mai 2014, besetzten ca. 50 Engagierte der Kampagne 'Wohnraum für alle!' ein leerstehendes Wohnhaus in Köln Neu-Ehrenfeld. Die Besetzung dauerte nur einige Stunden, war aber keineswegs umsonst. Eine beeindruckende Aktion.

In einer von den Besetzern veröffentlichten Pressemitteilung, die sowohl vom Kölner Stadt-Anzeiger, vom Express, als auch anderen Zeitungen aufgenommen wurde, gab es eine klare Ansage: "Wir mussten dieses Haus besetzen!", solange Menschen in Köln noch unter Brücken, in U-Bahnen und Parks übernachten müssen.

Diese zum Ausdruck gebrachte Notwendigkeit bezieht sich auf die Einsicht und Erkenntnis, sich solidarisch mit allen Betroffenen zur Wehr zu setzen und es nicht mehr hin zu nehmen, dass z.B. sanierungsbedürftige Wohnhäuser lange vor den geplanten Baumaßnahmen entmietet und einfach leer stehen gelassen werden. Solche Praktiken mögen sich Stadt und Vermieter-Institutionen finanziell leisten können, rein menschlich bzw. gegenüber den von Obdachlosigkeit betroffenen Menschen ist es eine Sauerei.

Erfolg

Im Rahmen der Auseinandersetzung zwischen Besetzern, dem Mieterrat und der Ehrenfelder Genossenschaft wurde vereinbart, dass die Genossenschaft fortan mehr als zwei Wohnungen ihres Bestandes für akute Notfälle zur Verfügung stellt. Eine Möglichkeit, die in Köln Schule machen sollte. Das Thema ist also angekommen und es darf bezweifelt werden, ob es ohne eine Besetzung soweit gekommen wäre.

Ein Stück weniger wehrlos!

Allein darauf lässt sich der Erfolg aber gar nicht reduzieren. Auf der 'Sozialen Kampfbaustelle', die als eine Art Aktions- und Diskussions-Camp im Herbst letzten Jahres auf einer Wiese in Köln Ehrenfeld stattfand, wurden Themen wie Arbeitsmigration aus Osteuropa (Tagelöhner, die sich in Köln zwar rechtmäßig aufhalten dürfen, aber keinen Zugang zum Wohnungsmarkt bekommen), Gentrifizierung der Stadt und wachsende Armut leidenschaftlich debattiert.
Daraus hervorgegangen sind gewachsene Strukturen, die vor Ort aktiv sind, aber auch Bestandteil einer politisierten, solidarischen Bewegung im ganzen Land.

In Köln wurde eine Anlaufstelle für bulgarische und rumänische Arbeitsmigranten geschaffen, spätestens seit der Kampagne 'Alle für Kalle!' bilden sich immer mehr kritische Mieterinitiativen in Köln und organisieren sich solidarische Mitstreiter. Wir sind ein Stück weniger wehrlos!

Der Druck wächst

Der Druck wächst. Das meint sowohl die existenzielle Betroffenheit vieler Menschen, meint aber auch den aktiven Widerstand dagegen. Das spiegelt sich in der kommunalen Politik, aber auch in der Ehrfurcht der bürgerlichen Presse wider.
Konnte man aus der laufenden Berichterstattung während der Besetzung noch eine Art sachlichen Respekt heraus lesen, korrigierten einige Redaktionen ihre Sprache im Nachhinein wieder ins Pöbelhafte. "Mieterrat zwang Besetzer zum Abzug." Eine Einsatzhundertschaft der Polizei war wohl nur zufällig auf einem Wochenendtrip? Ein (später zurück genommener) Strafantrag der Vermieter-Genossenschaft ein bedauerliches Versehen? Der Erfolg der Besetzer ein Misserfolg? Eine solche Verkehrung der Tatsachen ist schade, kommt aber nicht von Ungefähr. Nein, Freunde der Revolution werden diese Medien nicht. Das muss man einfach wissen.

Weitere Infos unter:

wohnraumfueralle.noblogs.org