Am Dienstag, den 8. Juni 2010, um 19:00 Uhr, findet die nächste „Soziale Kämpfe“-Vollversammlung im Autonomen Zentrum, Wiersbergstr. 44 in Köln-Kalk statt. Alle interessierten Menschen sind herzlich eingeladen! Ggf. auch zu einer Zäsur der Versammlungskultur.
Die vergangenen Vollversammlungen haben gezeigt, dass es sich bei diesem Projekt - sicher auch getragen von dem Wunsch, dass Menschen unterschiedlicher politischer Sozialisationen einander näher kommen - um einen gehörigen Lernprozess handelt.
Gab es zunächst eine offene Vorbereitungskommission, die ein straffes Programm vorsortierte, dafür während der Versammlung aber auch (Frei-)Raum für ein reichhaltiges Buffet bot, wurde die Tagesordnung zuletzt offen gehalten, das Buffet aber ist irgendwie weg.
Sollte es sich bewusst um ein Aufeinandertreffen engagierter Menschen im Sinne von Einzelpersonen handeln, wurden die besprochenen Themen letztlich doch immer von "Vertretern" einzelner Gruppen und Initiativen vorgetragen.
Und richtig voll ist die Vollversammlung, die mal mit 120 Leuten begonnen hatte und zuletzt auf 30 zusammenschrumpfte, auch nicht mehr.
Zeit für eine Zäsur?
Die hat möglicher Weise bereits beim letzten Treffen stattgefunden, wo mindestens einige das Gefühl hatten, die Versammlung mit sowas wie "Ergebnissen" verlassen zu haben. Und dennoch bleibt die Gefahr, dass nur eine verbliebene Minderheit die "Vollversammlung" reformiert und zwar in erster Linie für sich selbst.
Dementsprechend gab es auch nach dem letzten Treffen durchaus kritische Töne.
Versammlungskultur, Versammlung, Kultur ...
Genauso wie man darüber streiten kann, ob "Vollversammlung" überhaupt der zeitgemäße Begriff ist, der an sich motivierte Menschen hinterm Ofen hervor lockt, wurde vielleicht doch nicht genug gestritten darüber, was jene Versammlung wirklich bringen und wie sie denn nun aussehen soll.
Dass "wir" uns mit über Hundert Menschen versammeln können, wurde immerhin mehr als einmal bewiesen. Aber wie "wir" uns in dieser Größenordnung dauerhaft unter/halten können, scheint nach wie vor experimentierbedürftig. Warum auch nicht? Insofern ist das Projekt als solches lange nicht gescheitert!
Widersprüche? Na und!
Die Erfahrung zeigt, dass sich oftmals praxisorientierte Projekte und inhaltliche Diskussionen einander Zeit und das jeweils individuelle Interesse rauben. Folglich bleibt mitunter ein negativer Gesamteindruck zurück.
Völlig entspannt hingegen unterhält man sich am Buffet oder während der Rauchpausen. Hier kann ich mich in Gespräche einbringen oder mich unauffällig entfernen, kann aber auch Gespräche initiieren, anregen. Während der Tages- bzw. Versammlungs- bzw. Redeordnung bin ich auf Gedeih und Verderb verdonnert zum Zuhören, zum Abwarten und kämpfe mit der schleichend über mich kommenden Müdigkeit. Und spätestens hier wird mir bewusst, dass jene Vollversammlung - Warum hab ich mich drauf eingelassen? - auch nur ein weiterer Termin der schon übervollen Monatsplanung ist.
Die Dauerrauchpause!
Die KEAs hatten diesbezüglich mal einen vielversprechenden Versuch gestartet. Man trifft sich eine Stunde früher zur Dauerrauchpause im Garten, nur um miteinander zu Quatschen. Im Verlaufe dieser Gespräche kristallisieren sich nicht selten Themen heraus, die dann in die folgende Tagesordnung einfließen. Vorsortiert, vordiskutiert und man kann ziemlich schnell zur Sache kommen. Der Findungsprozess verläuft dabei eigendynamisch und weniger hierarchisch strukturiert, aber der womöglich wichtigste Aspekt dabei ist jenes Entspannungsmoment, das so verführerisch sympathisch daher kommt und richtig einladend wirken kann.
In wieweit solche Experimente bei über Hundert Teilnehmern fruchten können, bleibt sicher fraglich, zudem das vorzeitige Erscheinen (oder der verspätete Versammlungsbeginn) ein disziplinarischer Akt ist. Folglich sollte es darum gehen, gemeinsam eine Versammlungskultur zu finden, die es möglichst verhindert, dauerhaft im eigenen Saft zu schmoren und schlimmsten Falls noch zu verbrennen.
Naja, wer hat denn gesagt, dass es einfach wird? ;-)
Kommt ALLE!