Martin Behrsing will in den Landtag

Der Bonner Martin Behrsing, Gründer und Macher des Erwerbslosen Forum Deutschland, will zur kommenden Landtagswahl in NRW für die Linkspartei kandidieren. Zum einen als Direktkandidat im Wahlkreis Bonn, zum anderen will er sich um einen aussichtsreichen Listenplatz bewerben (siehe auch: Bewerbungsschreiben, Rede auf dem Landesparteitag).

Ein Kommentar

Das scheint der ehrgeizigen und bisweilen als arrogant wahrgenommenen Strategie der Linkspartei zu entsprechen, noch vor dem Punkt (Die Linke.) möglichst alles zu vereinen, was sich nur irgendwie politisch links verortet. Einzelne Protagonisten, wie Behrsing, mögen zudem symbolisch für eine soziale Bewegung stehen, die natürlich immer der Gefahr unterliegt, parteilich vereinnahmt zu werden. Insofern braucht sich Behrsing bei der Linkspartei nicht als Bittsteller, denn eher als gefragter Mann verstehen.

Echte Bewegungen, die sich historisch immer als diffus und aus dem Notwehrverhalten authentisch Betroffener auszeichnen, fanden in aller Regel ihren Tod, nachdem sie sich institutionell zu Gewerkschaften, Parteien oder ähnlich hirarchisch strukturierten Organisationen entwickelten. Dann nämlich werden sie zu Ansprech- und Verhandlungspartnern für das System und als solches darin eingebunden. Als öffentliches Impressum sind sie zudem haftbar für alles, was sie von sich geben, weshalb sich Sprache und Tun verdiplomatisiert. Das Diffuse, das Unberechenbare und das militante Moment einer echten Bewegung ergeben sich mit erhobenen Händen der Machtpolitik und werden kalkulierbar. Man darf mitspielen. In Mecklenburg-Vorpommern war es der Fall, in Berlin ist es und in Brandenburg wird es alsbald so sein. Na, und? Ist Hartz IV dort humaner als anderswo? Mitnichten.

Drahtzieher sein oder nur Draht?

Martin Behrsing wird der Bewegung vielleicht nicht ganz verloren gehen, aber seine Kräfte zukünftig womöglich anderweitig verpulvern: Wahlkampf, Wahlprogramm, Ausschusssitzungen, Pamphlete schreiben, Regierungsanfragen verfassen ... und natürlich irgendwie sehen, den Draht zu halten zur außerparlamentarischen Opposition.

Wer mit der Linkspartei aber eine gerechtere Gesellschaft aufbauen oder gar den Kapitalismus „überwinden“ möchte, scheint momentan zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Zunächst einmal geht es in der etablierten Realpolitik darum, eine Krise zu bewältigen, nicht, um den Kapitalismus abzuschaffen, sondern um ihn zu erhalten. Ansonsten nämlich könnte uns die Krise völlig schnuppe sein. Die Linkspartei wird nicht nur in haushaltsrechtlichen Fragen dafür – nämlich für die Krise – Verantwortung tragen. Und auch sie wird ihre Politiker in die Aufsichtsräte der Banken und Wirtschaftskonsortien schicken. Möglicherweise soll jene „Unterwanderung“ ja langfristig dazu beitragen, den Kapitalismus zu überwinden, ohne dass der es merkt.

Na dann: Viel Erfolg!
Und ja, auch unter den KEAs gibt es Mitglieder der Linkspartei.


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Martin Behrsing wollte in den Landtag