Almosen? Was für Almosen? Wikipedia: „Ein Almosen [...] unterscheidet sich von einer Spende durch den Beweggrund des Mitleids mit dem Empfänger.“ Erstens brauchen Erwerbslose und Geringverdiener kein Mitleid und zweitens ist das Arbeitslosengeld II eine staatliche soziale Leistung nach dem Sozialgesetz und noch - man mag es kaum glauben - grundgesetzlich zugesichert! (GG Art. 20: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“) Mit der Gleichsetzung von Almosen und Sozialleistung werden BezieherInnen dieser Leistung quasi zu Bittstellern oder Bettlern degradiert. Der Erwerbslose oder Geringverdiener wird so zum Bedürftigen, der von dem Mitleid des Staates bzw. seiner (arbeitenden) Mitmenschen abhängig ist. Das ist eine Zumutung!
Natürlich wird Die Linke jetzt sagen, dass sie darauf anspielen wolle, dass sich Alg-II-Empfänger eben heute so fühlen, als müssten sie um Almosen betteln. Gut gemeint ist aber noch lange nicht gut gemacht und auf einem Plakat zählt der Außeneindruck. Da steht nicht immer einer daneben und erklärt, was gemeint ist.
Apropos gemeint, was meint Die Linke eigentlich mit ihrer „guten Arbeit“? Da haben doch wieder Gewerkschafter ihre Finger im Spiel gehabt. Der Slogan „Gute Arbeit statt Hartz IV“ unterstreicht lediglich die einseitige Fokussierung der Linken auf (Erwerbs-)Arbeit. Anstatt irgendwelche Arbeitsplätze zu fordern bzw. zu versprechen, sollten sie doch lieber den Leuten reinen Wein einschenken und sagen, dass es Vollbeschäftigung (jedenfalls in der heutigen Definition von Arbeit) nicht mehr geben wird und die zunehmende Anzahl von Erwerbslosen systembedingt ist (Stichwort: „Verwertung“). So unterscheiden sie sich kaum von den anderen Parteien. Außer, dass sie „gute“ Arbeit wollen.
2003 beschlossen die Präsidien von CDU und CSU „Sozial ist, was Arbeit schafft“ und es gab dazu einen KEA mit der Überschrift „Arbeit macht frei“, sowie einem Bild, welches den Eingang eines Konzentrationslagers mit dieser Überschrift zeigte. Wenn man dem Plakat bzw. Flyer folgt, hießen die Sprüche bei der Linken dann: „Sozial ist, was gute Arbeit schafft“ oder gar „Gute Arbeit macht frei“, aber so weit wollen wir nicht gehen.
Unterstellen wir den Linken weiterhin gute Absichten, doch warum fragt man nicht jemanden, der sich damit auskennt? „Wer mehr Demokratie fordert, muss sie auch selber praktizieren.“ (Kommunalwahlprogramm 2009 der Linken Köln) Ein guter Grafiker (und selbst den haben sie offensichtlich nicht) ist noch lange kein guter Anti-Hartz-Aktivist. So verharrt das Plakat in alten Denkmustern. Die interessante Frage, was Arbeit überhaupt ist und wie die unterschiedlichen Arten in unserer Gesellschaft bewertet und auch vergütet werden, wird hier weder aufgeworfen geschweige denn beantwortet. Dabei wäre eine breite öffentliche Diskussion über eine Neudefinition des Arbeitsbegriffes dringend notwendig.
Der folgende Teil soll einen Anstoß in diese Richtung geben.
- In der Antike galt (insbesondere körperliche) Arbeit als Zeichen der Unfreiheit. Sklaven (dúloi) und Handwerker (bánausoi) waren „der Notwendigkeit untertan“ und konnten nur durch diese als „unfrei“ verstandene Arbeit ihre Lebensbedürfnisse befriedigen. Geistige Arbeit blieb der scholé (gespr. s|cholé) vorbehalten, was etwa „schöpferische Muße“ beschrieb, wovon das deutsche Wort Schule her rührt.
- Die Römer sahen in ihren Sklaven keine Menschen, sondern sprechende Werkzeuge.
- Im Mittelalter wurde die Philosophie der Arbeit meist als theologische Debatte geführt. Deutsche Philosophen des 18. und 19. Jahrhunderts definierten die Arbeit moralphilosophisch und erklärten sie zur sittlichen Pflicht und Existenzbedingung des menschlichen Daseins.
- In einem Aufsatz über den „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“ schreibt Friedrich Engels: „Die Arbeit ist die Quelle alles Reichtums, sagen die politischen Ökonomen. Sie ist dies - neben der Natur, die ihr den Stoff liefert, den sie in Reichtum verwandelt. Aber sie ist noch unendlich mehr als dies. Sie ist die erste Grundbedingung alles menschlichen Lebens, und zwar in einem solchen Grade, daß wir in gewissem Sinn sagen müssen: Sie hat den Menschen selbst geschaffen.“
- Marx und Engels definieren den Freiheitsbegriff als „Einsicht in die Notwendigkeit“ und heben damit den aus freiem Willen handelnden Menschen, dem die Arbeit ein notwendiges Lebensbedürfnis ist, aus der Masse jener heraus, die unter Zwang als Vasallen, Hörige oder gar Sklaven ausgebeutet werden.
- Hannah Arendt sieht die Arbeit nicht in Verbindung mit dem Freiheitsbegriff, sondern als Zwang zur Erhaltung des Lebens, dem der Mensch von der Geburt bis zum Tod ständig unterliegt. Sie schreibt: „(In) ihrem letzten Stadium verwandelt sich die Arbeitsgesellschaft in eine Gesellschaft von Jobholdern, und diese verlangt von denen, die ihr zugehören, kaum mehr als ein automatisches Funktionieren, als sei das Leben des Einzelnen bereits völlig untergetaucht in den Strom des Lebensprozesses, der die Gattung beherrscht, und als bestehe die einzige aktive, individuelle Entscheidung nur noch darin, sich selbst gleichsam loszulassen, seine Individualität aufzugeben, bzw. die Empfindungen zu betäuben, welche noch die Mühe und Not des Lebens registrieren, um dann völlig „beruhigt“ desto besser und reibungsloser „funktionieren“ zu können.“ Arendt formuliert schon 1958 folgende These: „Was uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich noch versteht. Was könnte verhängnisvoller sein?“
Definition Tätigkeit laut
Wikipedia:
Tätigkeit (Aktivität) bezeichnet ein Handeln, ein Tätigsein des Menschen, und kann sowohl körperliche wie geistige Verrichtungen beinhalten. Soweit Tätigkeiten unmittelbar dem Zeitvertreib und Lustgewinn des tätigen Menschen dienen, werden sie unter dem Spielbegriff subsumiert. Tätigkeiten, die zweckmäßig und zielgerichtet auf die Erfüllung bestimmter individueller und gesellschaftlicher Verpflichtungen ausgerichtet sind, werden unter dem Begriff Arbeit zusammengefasst.
Wortgeschichte Arbeit laut
Wikipedia:
Das Wort Arbeit ist gemeingermanischen Ursprungs (*arbējiðiz, got. arbaiþs); die Etymologie ist unsicher; evtl. verwandt mit indoeurop. *orbh- „verwaist“, „Waise“, „ein zu schwerer körperlicher Tätigkeit verdungenes Kind“ (vgl. Erbe); evtl. auch verwandt mit aslaw.
robota („Knechtschaft“, „Sklaverei“, vgl. Roboter).
Im Alt- und Mittelhochdeutschen überwiegt die Wortbedeutung „Mühsal“, „Strapaze“, „Not“; redensartlich noch heute Mühe und Arbeit (vgl. Psalm 90, lateinisch labor et dolor).
Das französische Wort travail hat eine ähnliche, sogar noch extremere Wortgeschichte hinter sich: es leitet sich von einem frühmittelalterlichen Folterinstrument ab.
Das italienische lavoro und das englische labour (amerikanisch labor) gehen auf das lateinische labor zurück, das ebenfalls primär „Mühe“ bedeutet.
Solange wir in einem System leben, bei welchem die Aufzucht von Schweinen als Arbeit angesehen und entlohnt wird, die Erziehung von Kindern aber nicht, heißt es, dagegen anzugehen.