Rosenblüten vom Flugzeug abgeworfen – Köln-Marienburg

Villa in MarienburgFoto von Hans-Dieter Hey (R-mediabase)

Eine Demonstration ist der "Klassenausflug nach Köln-Marienburg" nicht geworden. "Das war auch nicht unsere Erwartung.", sagt Frank von den KEAs. Aber immerhin hatten sich ca. 30 Interessierte, trotz Formel 1 im Fernsehen, dem FC im Radio und Regen vom Himmel, auf den Weg durch das Villen-Viertel Marienburg gemacht.

BismarckturmEin Weg, nicht nur durch die Kölner Stadtgeschichte, sondern durch eine historische Etappe des Kapitalismus. Angesichts der Nähe zur bisweilen architektonischen Dekadenz vor Ort, ein Bilderbuch. "In erster Linie verstehen wir das als Fortbildung und wir hatten uns gesagt: Wir machen das für uns selbst. Interessehalber. Die Recherchen zu den Personen und Institutionen, die mit Marienburg verbunden waren oder noch sind, waren hoch spannend.", erklärt Frank. Es ging um Reiche und Reichtum und um die Feststellung, dass mindestens zwei Kölner Bürger jeweils(!) ungefähr genau so viel Vermögen besitzen, wie die Stadt Schulden hat. Ca. 3 Milliarden Euro sind das derzeit.

Aber schon damals - konnte man heute lernen - gab es wichtigere Dinge, für die man Geld ausgeben muss. Zum Beispiel die Errichtung des Bismarckturms mit Feuerschale am Bayenthalgürtel, nebst einem Anschluss zur Versorgung mit Stadtgas. Oder wenn Ottmar Strauss ein Flugzeug im Tiefflug über den Garten seiner Villa fliegen ließ, um Rosenblüten auf seine Partygäste zu streuen.

Auch die Verstrickungen so einiger Marienburger im Dritten Reich und das Verhalten öffentlicher Instanzen und Institutionen waren Thema. "Wenn wir uns da weiter vertiefen, könnte das möglicherweise der Beginn einer Tradition sein.", meint Frank.

SA-Mann am evangelischen GemeindezentrumDie KVB ließ die entscheidende Bahn ausfallen, was den pünktlichen Beginn verhinderte, die Polizei kreiste auffällig unauffällig um den Spaziergang herum und dann regnete es auch noch. Aber etwas später, nachdem am evangelischen Gemeindezentrum in der Mehlemer Straße (Baujahr 1933; konzipiert mit Integration von Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädchen) über Martin Luthers "Begegnung" mit einem SA-Mann und Hakenkreuz referiert worden ist und auch über Luthers Rolle zu seinen Lebzeiten, erschien einer der schönsten Regenbogen am Himmel. Na, wenn das kein Zeichen ist.