Solidarisierung im Jobcenter Köln-Porz

Eingang Jobcenter Porz Sie kommen nicht etwa im Pulk oder melden sich beim Standortleiter oder dem Sicherheitsdienst an. Sie ziehen auch keine Wartemarke. Aber plötzlich sind sie dann eben da. Im Wartebereich, auf den Etagen, in den Aufzügen, überall. Ca. 20 bis 30 Menschen übten sich heute im Jobcenter Köln-Porz (Finkenberg) solidarisch, verteilten das Überlebenshandbuch und Kaffee und verhalfen dem einen oder der anderen auch zu Bargeld.

Was im Jobcenter Köln-Kalk mühsam erkämpft werden musste, verlief am 2. April 2012 in Porz völlig problemlos. Womöglich lag es am besonnenen Verhalten von Standortleitung und Sicherheitsdienst, die jede Eskalation vermeiden wollten. Weder gab es Hausverbote, noch wurde die Polizei gerufen.

“Solange es friedlich bleibt“

Das Jobcenter sieht es freilich nicht gerne. „Aber solange es friedlich bleibt“, ist dabei ein gern und oft bemühtes Argument. Dabei wird die Tatsache ausgeblendet, dass genau genommen kein Tag an einem Jobcenter friedlich vergeht. Jeden Tag stehen ungezählte Betroffene (auch Familien mit Kindern) ohne oder mit zu wenig Geld da. Jeden Tag werden ungezählte Betroffene finanziell sanktioniert. Jeden Tag „verkauft“ das Jobcenter sogenannte Trainingsmaßnahmen, 1- oder 0-Euro-Jobs, über deren Notwendig- und Tauglichkeit gestritten werden darf. Manche empfinden sie zu Recht als bloße Schikane. Man darf von existenzieller Bedrohung sprechen, auch von Todesfällen, die mit Hartz IV einhergehen. Mit Verlaub, da ist der soziale Frieden lange gekündigt. Und zwar seitens des Jobcenters!

Hartz IV muss weg!

Und so wollen Aktionen dieser Art natürlich zunächst einmal eine Ahnung von Solidarisierung und ganz praktische Angebote, wie z.B. die KEA-Beratung, vermitteln. Aber natürlich bleibt es nicht aus, auch ganz konkrete Missstände zu erfassen und diese wiederum in den Kontext zu Hartz IV zu stellen. „Hartz IV muss weg!“, ist denn auch die unbescheidene, aber entschlossene Ansage der selbstorganisierten Aktivisten. Bis dahin ist es gut und richtig, Präsenz und eine Form von Widerstand zu zeigen.