Caritas-Party gestört

Am 27. März 2009 lud der Caritas-Verband Köln unter dem Motto „Armut hat viele Gesichter“ Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Kirche zum Frühjahrsempfang. Erwerbslose wurden freilich nicht eingeladen, aber der Geruch des feinen Buffets mit Sekt und Häppchen lockte dennoch knapp 30 Engagierte aus dem Spektrum der 'Zahltag!'-Kampagne zum Fest.

Der Ort im Schatten des Kölner Doms konnte besser nicht sein, um seitens der Demonstranten die Heuchelei des Caritas-Verbandes anzugreifen und öffentlich zu machen. Drei Security-Männer mussten ihre Stellung innerhalb der Eingangsschleuse hoffnungslos verloren geben, als der Großteil der protestierenden Meute geballt in die sehr gut besuchte Veranstaltung drängte. Andere verkleideten draußen den verglasten Saal mit Transparenten und verteilten Flyer an viele neugierige Passanten.

TransparentAusgerechnet der Caritas-Verband der katholischen Kirche, der mit am Tisch saß, als sowohl die zentralen Gewerkschaften, als auch der Paritätische und die Diakonie gemeinsam mit SPD und Grünen die Hartz-Gesetze durchgewunken hatten, maßt sich nun an, in edlem Ambiente über Armut in unserer Gesellschaft zu jammern. Ausgerechnet der Caritas-Verband, der im Beschäftigungssektor so genannter 1-Euro-JobberInnen als Gigant bezeichnet werden darf, will nun klagen darüber, dass er „leider“ zu viele Tafeln betreiben muss und „leider“ immer weniger Lohn seinen MitarbeiterInnen zahlen kann. Ausgerechnet Caritas, die bei Hartz IV ganz dick im Geschäft sind, geriert sich nun als Stimme der Armen, die sie anlässlich der heutigen Aktion wohl lieber verdammten.

„GEH DOCH NACH KUBA!“

Die meisten Gutmenschen, muss man fairer Weise sagen, wendeten sich angewidert ab, als sich einer ihrer Kollegen nicht zu blöde und schade war, „Geh doch nach Kuba!“ zu rufen, während ein offenbar ungebetener Gast die Bühne enterte, um den Anwesenden verbal den Spiegel vor's Gesicht zu halten. Dies zeigt ja womöglich auch die innere Zerrissenheit zwischen christlicher Nächstenliebe und knallharter Ausbeutung.

Freilich bediente man sich fleißig am Buffet (die AktivistInnen hatten diesbezüglich entsprechende Lebensmittelgutscheine parat), wobei es seitens der Caritas strategisch gar nicht unklug schien, die Demonstration als geduldeten Faktor der Veranstaltung zu integrieren. Aber irgendetwas ist dann doch schief gelaufen. Nach knapp einer Stunde rief die Caritas dann doch noch die Polizei und es war zunächst ein einzelner Streifenpolizist, der offenbar eine Frau zur erkennungsdienstlichen Behandlung mitnehmen wollte und dabei die Nerven verlor. Während er die Frau am Arm festhielt, rief er doch glatt ins Sprechfunkgerät: „Ich werde gerade angegriffen.“

Dies hatte natürlich zur Folge, dass sich binnen weniger Minuten mindestens zehn Streifenwagen mit Blaulicht und Martinshorn auf dem Domplatz tummelten und der Aktion zu ungeahntem Interesse verhalf. (Der später überfliegende Polizeihubschrauber mag Zufall gewesen sein, aber wer weiß ...)

PolizeiParallel hierzu geschah eine Situation, die beinahe unglaublich erschien. Ein Mann, der nichts, aber auch gar nichts machte, wurde unverhofft von einem Zivilpolizisten angegriffen und festgehalten. Der Mann leistete keine Gegenwehr. Hiernach jedoch wollten zwei uniformierte Polizisten dem Zivi EINREDEN, dass dies doch „Widerstand mit Körperverletzung gewesen sein könnte“ (sinngemäß abstrahiert; Originalwortlaut ist im Gedächtnisprotokoll). Der Zivi jedoch wiegelte ab und betonte, dass es so nicht gewesen sei. Falls nunmehr dennoch dem Betroffenen irgendetwas untergejubelt werden soll, möge dieser sich bitte an 'Die KEAs e.V.' wenden (hier), da sich mehrere Zeugen zu dem Vorfall meldeten. Angesichts dieses möglichen Manipulationsversuches erscheint nunmehr auch der vorherige Vorgang in einem anderen Licht. (Da hält ein Polizist eine Frau am Arm und ruft: "Ich werde angegriffen.")
Die Polizisten mussten sich letztlich gegenseitig beruhigen, als sie begriffen, dass sie gerade total überdrehen.

Der Polizeieinsatz, aber auch die Präsenz und nervenden Störungen der kritischen AktivistInnen in und vor dem Veranstaltungssaal sorgten während des gesamten Verlaufs für eine spürbar unangenehme Beklemmung und Anspannung. „Frühjahrsempfang der Caritas in Köln“, … das ging in die Hose!

Originalbericht und Bilder:
http://de.indymedia.org/2009/03/245302.shtml


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