»Asoziale« – Eine Gedenkveranstaltung

„Erinnern - Eine Brücke in die Zukunft."
Das war der Name einer Veranstaltung am 27.1.2007 in der Antoniterkirche zum Jahrestag der Befreiung des KZ Ausschwitz.

Schwerpunkt waren die von den Nationalsozialisen als »asozial« bezeichneten Menschen. Darunter waren auch so genannte »Arbeitsscheue«, »Bettler« usw. Die KEAs schlugen die Brücke zur Gegenwart und brachten ihre Gedanken dazu in einem Flugblatt zum Ausdruck.

(Ge)Denkschrift Kölner Erwerbsloser anlässlich des 62. Jahrestages der Befreiung des KZ Ausschwitz

Um es in aller Deutlichkeit vorweg zu nehmen:

Kein Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland ist relativierbar!

Insofern ist es nicht unsere Absicht, sich unter dem Vorwand des Gedenkens zu artikulieren. Wir haben Anlass, um die ermordeten und unterdrückten Opfer in Ausschwitz zu trauern und wir trauern nicht nur heute ! ... weshalb wir eine "Brücke" schlagen wollen, die uns in die Geschichte des Begriffs "asozial" führen soll.

Während der „Bedarfsfestellungsdienst“ der ARGE nicht selten in Begleitung einer Kamera sogar des öffentlich rechtlichen Fernsehens unverhofft die Wohnung argloser BürgerInnen „stürmt“ und hiernach eine Journalistin des Zweiten Deutschen Fernsehens sogar aktiv an der unsäglichen „Parasiten-Bulle“ eines vorgeblich sozialdemokratischen Ministers mitwirkt, ein weiterer (sozialdemokratischer) Ministerpräsident einen Erwerbslosen öffentlich zum Waschen und Rasieren auffordert, sind Begriffe wie „Sozialschmarotzer“, „Faulpelz“, „Asozialer“ längst über den Stammtisch hinaus WIEDER salonfähig.

Was ist los mit dieser Republik?
Wo kommt diese Bundesrepublik her, wo geht sie hin?

Dafür benötigen wir das Erinnern ! ... denn wer die Geschichte nicht kennt, wird die Zukunft nicht meistern können.

Der Begriff „asozial“ - an dessen Opfergruppe in diesem Jahr besonders erinnert werden soll – gibt vor, dem Wort „sozial“ gegenüber gestellt zu sein. Tatsächlich ist er viel komplexer, wenn wir darüber nachdenken, was denn nun „sozial“ sein soll. Das Meinungsbildungsinstitut „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, mit Sitz in Köln, dichtete: „Sozial ist, was Arbeit schafft.“ ... und legte den Satz zahlreichen PolitikerInnen, darunter Angela Merkel, in den Mund. Die Zerstörung ganzer Städte und Landstriche durch den zweiten Weltkrieg hat insofern jede Menge Arbeit geschaffen und kein Vernunft begabter Mensch würde auf die Idee kommen, ihm eine soziale Komponente zuzuschreiben.
Eine ähnlich widerwärtig anmutende Formulierung hat es ebenfalls WIEDER in den öffentlichen deutschen Sprachgebrauch geschafft: „Wer nicht arbeitet, der soll nicht essen.“ Ganz schnell dahingesagt, wobei immer erst beim Nachhaken hinzugefügt wird, dass behinderte Menschen natürlich nicht gemeint sind. Gemeint sind die, die arbeiten können, aber vermeintlich nicht wollen.
Die Erziehung von Kindern, die Alltagsbesorgung der Familie, der Verein, der Kleingarten und nicht zuletzt das Schreiben solcher (Ge)Denkschriften sind natürlich KEINE Arbeit ! ... womit geklärt ist, WER hier in der Machtposition ist, derlei Begrifflichkeiten zu definieren. (Die INSM hat ihre Kampagne mit zunächst satten 10.000.000 Euro unterfüttert !)

Damit wird WIEDER offensiver das Schuld-Argument bedient, dass Erwerbslose nur zu faul seien, die zahlreichen offenen Stellen des ersten Arbeitsmarktes zu besetzen, was mit derlei Erziehungs(!)-Instrumenten wie „HartzIV“ WIEDER dazu legitimiert, jene als „faul“ bezeichneten Mitmenschen abzustrafen, wie erst jüngst mit dem derzeit wohl berühmtesten Assi, Henrico F., geschehen. ... Ups, jetzt ist es gefallen, das Wort. So schnell kann's gehen !