Aktionstag „Wir zahlen nicht für eure Krise“

Transparente und Teilnehmer

Am Morgen des 17.09.2009 nach 09:00 Uhr begann an der ARGE in der Luxemburger Str. ein hoffnungsvoller Auftakt des Aktionstages. Vielleicht um die 80 bis 100 Menschen hatten sich versammelt, die Zustände der ARGE bzw. Hartz IV vor Ort unter die Lupe zu nehmen.

Die Geschäftsführung sei außer Haus, um wichtige Termine wahrzunehmen, berichtete ein ARGE- oder Agentur-Mitarbeiter. „Da hätten Sie Ihr Kommen etwas eher anmelden müssen.“ Anmelden?

Auch aus Solidarität mit den von einem Hausverbot belegten Mitstreitern und jene, die am 9. Juni von einer unverhältnismäßig brutalen Polizeiattacke überrascht wurden, ging's in die ARGE rein. Auf den engen Fluren machte die Menschenmasse richtig Eindruck. Ein Flyer, der sich sowohl an Betroffene, als auch an ARGE-Beschäftigte richtete, wurde in jedes einzelne Büro getragen und in den Wartebereichen verteilt. Bestimmte Abteilungen, wie z.B. der psychologische Dienst, und die Unterschiede zwischen Orientierungsservice, Front- und Backoffice wurden erklärt und bei manchen Namensschildern auch so genannte „Einzelfälle“ erörtert.

Und da war er dann doch!

Müller-StarmannWomöglich von irgendeinem „wichtigen“ Termin abberufen, hetzte Geschäftsführer Müller-Starmann über den Flur der Meute entgegen, die sich dadurch nicht beirren ließ.

Nach dem ARGE-Rundgang wurden vor dem Gebäude Transpis gehisst und eine Lautsprecheranlage aufgebaut. Mal Musik, mal interessante Redebeiträge und spontane Unmutsbekundungen. Müller-Starmann hörte aufmerksam zu. Soweit, so gut.

Der kleine rote Traktor

Mit wehenden Fahnen – und zwar die von 'Die Linke' – düsten ein roter Traktor mit rotem Circuswagen und ein altes – na, klar – rotes Feuerwehrauto heran. Gemeinsam mit einigen Radfahrern bildeten der rote Traktor, das rote Feuerwehrauto, die roten Parteifahnen und die grünen Polizeiautos einen Konvoi zum Schichtwechsel der von Kurzarbeit bedrohten Mitarbeiter bei KHD (Deutz) in Köln-Porz. (Immerhin, welche Partei mobilisiert heute noch ihre eigenen Mitglieder zu demonstrativen Aktionen? Und, mal ehrlich, wer wusste nicht vorher, dass 'Die Linke' gerade wahlkämpft?)

Andere bewegten sich per Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen Köln-Bonn, um sich dort mit den von ARGE und Kötter – einem bekannten Sicherheits- und Personaldienstleister – ausgebeuteten Security-Arbeitern zu solidarisieren. Die nahmen die Solidarität gerne und couragiert an und auch die LKW-Fahrer anderer Firmen äußerten ihren Respekt für die solidarische Aktion.

Der rote TraktorDie Kritik aus dem Spektrum der 'radikalen Linken' daran, „... wieso sie für Mitarbeiter/innen eines privaten Sicherheitsdienstes demonstrieren sollen, der dem bewaffneten Schutz von Kapitalinteressen dient und nicht nur Flughäfen und Abschiebehäftlinge bewacht, sondern auch (wie in Baden-Würtemberg und Sachsen-Anhalt) sich an der Privatisierung des staatlichen Gefängnissystems beteiligt ...“ (Quelle: anarchosyndikalismus.org), greift möglicher Weise – mit Verlaub – zu kurz. Bei den am Flughafen beschäftigten Kötter-Mitarbeitern handelt es sich um durch die ARGE umgeschulte Erwerbslose, die hiernach noch als kostenloser Praktikant Kötter zur Verfügung stehen, ehe sie „günstigen Falls“ für einen Hungerlohn ihre Schichten schieben dürfen und im Falle des Falles dafür ihr Leben riskieren. (Und wer weiß für wie lange, da Praktikanten von der ARGE immer wieder „nachgeliefert“ werden. Hartz IV macht's möglich!)

Nicht nur diese beiden örtlich getrennten Aktionen zur gleichen Zeit führten zur Spaltung der Teilnehmer des Aktionstags. Auch die Demonstration am Nachmittag in der Kölner Innenstadt, wo dann die 'attac'-Fahnen überwogen, wird aller Wahrscheinlichkeit nach historisch unbedeutend bleiben.

Bilder: Jörg Oppermann (arbeiterfotografie.com)


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