ArmutsBlog

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Aktuelle Nachrichten zum Thema Armut
Aktualisiert: vor 22 Stunden 50 Minuten

Hohe Mieten machen arm

13. September 2017 - 18:22

Eine Studie der Humboldt-Universität hat die Mietbelastung der Menschen in 77 Städten Deutschlands untersucht. Danach müssen 40 % der Haushalte (Daten vom Mikrozensus 2014) mehr als 30 % ihres Einkommens für die Miete ausgeben. Diese Mietbelastungsquote wird als problematischer Grenzwert angesehen, da hier i. d. R. nicht genug zum Leben übrig bleibt. Traurige Spitzenreiter bei den Durchschnittswerten sind Bonn (30,3 %), Neuss (30,1 %), Köln und Düsseldorf (rund 29 %). Einkommensunterschiede würden nach Ansicht der Forscher_innen beim Wohnen nicht mehr gemildert. Zitat: „Die Wohnbedingungen sind damit nicht nur ein Spiegel bestehender Ungleichheit, sondern tragen auch selbst durch die hohe Mietkostenbelastung zu einer wachsenden Ungleichheit bei.“

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Deutschland wird mehrheitlich als sozial ungerecht bewertet

14. August 2017 - 17:27

„Wie sozial gerecht geht es Ihrer Meinung nach in Deutschland im Allgemeinen zu?“ Über einen Zeitraum von 10 Tagen stellte das Berliner Meinungsforschungsinstitut Civey insgesamt 5.037 Bundesbürger_innen diese Frage. Die repräsentative Umfrage kam zu dem Ergebnis: 37,5 Prozent der Deutschen empfinden Deutschland als „eher ungerecht“,  24,2 Prozent als „sehr ungerecht“. Nur 37,5 Prozent der Deutschen halten dieses Land für sozial gerecht.

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Immer mehr arm trotz Arbeit

11. Juli 2017 - 11:43

Laut einer internationalen Vergleichsstudie hat sich europaweit der Anteil der sogenannten „Working Poor“ massiv erhöht. Deutschland liegt im Mittelfeld – und das bei einer Verdopplung der Menschen im Zeitraum 2004 bis 2014, die trotz Erwerbsarbeit von Einkommensarmut betroffen sind. Ein Grund hierfür sei, dass arbeitslose Menschen in Deutschland permanent unter Druck stehen, auch eine schlecht entlohnte Arbeit anzunehme. Das immer wieder von Regierungsseite aus beschworene Beschäftigungswachstum gründet sich lt. den Forscher_innen vor allem auf eine Zunahme an Teilzeit – und Niedriglohnstellen.

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Zukünftig jede_r 5. Neurentner_in von Altersarmut bedroht

11. Juli 2017 - 11:33

Nach einer Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ist ab 2036 jede_r 5. Neurentner_in von Altersarmut bedroht. Am stärksten betroffen sind demnach alleinstehende Frauen, Niedrigqualifizierte und Langzeitarbeitslose. Auch starke regionale Unterschiede wurden mit der Studie identifiziert. So wird sich die Grundsicherungsquote nach den Berechnungen für Neurentner_innen aus den ostdeutschen Bundesländern von 5 auf 11 % verdoppeln, für diejenigen aus den westdeutschen nur von 5,5, auf 6 %. Schlussfolgernd wird u. a. ein Umbau des Alterssicherungssystems gefordert.

Link zur Kurzfassung der Studie

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Kinderarmut ungleich verteilt in Deutschland

11. Juli 2017 - 11:19

Wie eine Studie im Auftrag von Unicef ergab, ist die Kinderarmut in Deutschland regional ungleich ausgeprägt. Trotz guter Bedingungen für Kinder im internationalen Vergleich wachsen bspw. zwischen 30 und 35 Prozent der Kinder in Teilen des Ruhrgebiets und Berlin unter drei Jahren in Haushalten auf, die von Hartz IV leben. Ansonsten zeigt die Studie die bekannten Risikofaktoren wie Kinder in Alleinerziehenden-Haushalten und/oder solchen mit Zuwanderungsstatus und niedriger formaler Bildung auf. Eine der Empfehlungen von Unicef ist die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz.

Link zur Pressemitteilung

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Kinderarmut ist vor allem die Armut minderjähriger Geflüchteter

20. April 2017 - 16:13

Wie eine aktuelle Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) ergeben hat, basiert die Zunahme der Kinderarmut in Deutschland vor allem auf der Armut minderjähriger Geflüchteter. Die Armutsquote (< 60 % des Durchschnittseinkommens) stieg insgesamt von 19,0 % 2014 auf 19,7 % 2015. Das Armutsrisiko von Kindern und Jugendlichen ohne Migrationshintergrund ist allerdings in diesem Zeitraum leicht gesunken und auch bei Kindern, die zwar einen Migrationshintergrund haben, aber in Deutschland geboren wurden, ist keine nennenswerte Veränderung des Armutsrisikos festzustellen. Bei den nach Deutschland eingewanderten Minderjährigen dagegen ist die Armut zwischen 2011 und 2015 von 35,7 auf 48,9 Prozent gestiegen.

Link zur Studie

Link zur Website mit Kartenmaterial zum Download

 

 

Der 5. Armuts- und Reichtumsbericht ist da – zensiert?

18. April 2017 - 15:51

Der 5. Armuts- und Reichtumsbericht ist erschienen und noch vehementer als schon beim letzten steht das böse Wort „Zensur“ im Raum. Eigentlich in der Mitte der Legislaturperiode fällig, hat der Bericht gerade noch vor den Neuwahlen das Licht der Öffentlichkeit erblickt. „Eine insgesamt positive Entwicklung der sozialen Lage in Deutschland“ liest das Bundesministerium für Arbeit und Soziales aus dem Bericht. Armut sei nur gefühlt gestiegen. Dagegen steht die Kritik u. a. des DPWV, „der neue Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung belege … faktenreich die zunehmende Ungleichheit von Einkommen und Vermögen“. Unangenehme Befunde seien zudem aus dem Bericht gestrichen worden. Machen Sie sich selbst ein Bild! Und wem 704 Seiten zu viel Lektüre sind – es gibt auch eine Kurzfassung…

Download 5. ARB

Download Kurzfassung

Kritik des DPWV

Fast eine Million Menschen erhalten seit Einführung des SGB II durchgängig Arbeitslosengeld II

4. Februar 2017 - 16:13

Wie eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ergeben hat, erhalten fast eine Million Menschen seit Einführung des SGB II durchgängig Arbeitslosengeld II, konnten also trotz prinzipieller Erwerbsfähigkeit nicht auf den Arbeitsmarkt vermittelt werden. Unter ihnen sind viele, die keinen formalen Bildungsabschluss haben bzw. als gering qualifiziert gelten. Lediglich einem guten Viertel gelingt es, den Leistungsbezug durch die Aufnahme einer ungeförderten Beschäftigung vergleichsweise schnell zu verlassen.

Link zum Kurzbericht des IAB

Unliebsame Befunde beim Armuts- und Reichtumsbericht?

11. Januar 2017 - 11:00

Über die Medien ist es schon durchgesickert: Auch in dieser Legislaturperiode wird der noch nicht offiziell publizierte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kritisiert, weil unliebsame Befunde wie zu Kinderarmut und Wohnungsnot zugunsten von „Erfolgsmeldungen“ im Bericht der Regierung „versteckt“ werden. Eine Pressemitteilung der Diakone Deutschland prangert dies an.

Pressemitteilung der Diakonie

Noch keine Chancengleichheit in der Bildung

19. Dezember 2016 - 13:40

Die aktuellen Ergebnisse vom Länderranking im Rahmen der Pisa-Studie von 2015 lassen Deutschland ganz gut aussehen: So liegt Deutschland an 16. Stelle von 71 sowie die Schüler_innen in allen geprüften Bereichen über dem OECD-Durchschnitt. Was die Chancengleichheit angeht, sieht es allerdings nicht so gut aus: Weiterhin ist sowohl eine Geschlechterungleichheit als auch Benachteiligung von Kindern aus sogenannten bildungsfernen Haushalten zu verzeichnen. Diese „Sozialvererbung“ in Deutschland wurde schon bei der ersten Pisa-Studie vor 15 Jahren kritisiert, wie ein taz-Artikel zum Thema aufzeigt.

taz-Artikel zum Thema

 

Soziale Gerechtigkeit in der EU

18. November 2016 - 15:58

Im Auftrag der Bertelsmannstiftung wurde soeben ein Bericht zur Sozialen Gerechtigkeit in der EU vorgelegt. Die wesentlichen Erkenntnisse: Die Teilhabechancen der Menschen haben sich in den meisten Ländern verbessert, liegen aber noch unter dem Vorkrisenniveau. Armut und Ausgrenzung sind noch immer auf einem besorgniserregenden Niveau und Kinder und Jugendliche sind hiervon besonders betroffen. Im Ländervergleich liegt Deutschland beim Gesamtindex „Soziale Gerechtigkeit“ auf Platz 7 von 28 Mitgliedsstaaten. Platz 1 wird von Schweden besetzt und am unteren Ende befindet sich Griechenland. Die Autor_innen der Studie empfehlen einen multidimensionalen Ansatz für die Sicherstellung von mehr Teilhabegerechtigkeit und sprechen konkrete Empfehlungen aus.

Zusammenfassung der Ergebnisse

Armut und soziale Ausgrenzung in Deutschland weiterhin auf hohem Niveau

3. November 2016 - 10:18

Wie das Statistische Bundesamt heute in einer ausführlichen Pressemitteilung aufzeigt, waren 2015 20 % der Bevölkerung in Deutschland von Armut und Ausgrenzung bedroht bzw. betroffen (2014: 20,6 %). Im EU-Vergleich (23,7 %) ist der Anteil in Deutschand damit etwas geringer. Als „von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht“ wird in der Erhebung „Leben in Europa (EU-Silc)“ bezeichnet, wer sich mindestens in einer der nachfolgenden Lebenssituationen  befindet: die Person ist von Einkommensarmut bedroht, ihr Haushalt ist von erheblicher materieller Entbehrung betroffen oder sie lebt in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung. Weitere Differenzierungen, bspw. nach Geschlecht und Alter, werden in der Pressemitteilung dargestellt.

Link zur Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts

Arme sind verschuldet – Reiche sparen

25. Oktober 2016 - 16:23

Eine aktuelle Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung macht deutlich, dass sich soziale Ungleichheit nicht nur in der Verteilung von Einkommen zeigt, sondern auch in der Chance Geld  beiseite zu legen, d. h. zu sparen. In ihrer Untersuchung mithilfe von Daten der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) aus dem Jahr 2013 fanden sie heraus, dass die einkommensstärksten 10 % der Bevölkerung rund 60 % des gesamten Sparvermögens ihr eigen nannte. Die untere Hälfte konnte nicht nur nichts sparen, sondern war mit durchschnittlich 300 Euro überschuldet. Einen weiteren Zusammenhang konnten sie zwischen der Gesundheit und dem Sparvermögen identifizieren.

Link zur Studie

Link zur Pressemitteilung

 

Verfestigung von Armut und Reichtum in Deutschland

13. Oktober 2016 - 9:12

Wie der diesjährige Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zeigt, nimmt die sogenannte soziale Mobilität ab, d. h.: „Armut und Reichtum werden immer dauerhafter“. Vor allem in Ostdeutschland sei die Durchlässigkeit zwischen den Einkommensklassen seit der Wiedervereinigung stark rückläufig.  Immer mehr Menschen würden so dauerhaft an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Das WSI fordert u. a. eine stärkere Umverteilung über Steuern und die Verringerung von Langzeitarbeitslosigkeit sowie den Abbau von Ungleichheiten im Bildungssystem.

Link zum Report

Dax-Vorstände verdienen 57mal so viel wie ihre Angestellten

10. Oktober 2016 - 12:27
Eine Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) ergab, dass die Dax-Vorstände im Durchschnitt 57mal so viel verdienen wie ihre Angestellten. 141mal so viel verdienen die Vorstände bei VW, dem negativen Spitzenreiter, der geringste Wert liegt beim 17-Fachen. Die Stiftung verweist darauf, dass es in den USA ab 2017 eine Pflicht gibt, diese Einkommensdifferenzen zu veröffentlichen. Dies könnte/sollte auch in den Vorstandsvergütungsbericht  in Deutschland aufgenommen werden, denn „[d]as würde garantieren, dass sich der Aufsichtsrat mit der Thematik beschäftigt und eine Bewertung vornimmt“ (HBS). Link zum Report der HBS

 

Kinderarmut steigt – trotz guter Wirtschaftslage

13. September 2016 - 12:35

In einer neuen Studie im Auftrag der Bertelsmannstiftung zum Thema Kinderarmut wurde festgestellt, dass 2015 14,7 % der Kinder in Deutschland in Hartz-IV-Familien lebten. Dies ist ein Anstieg um 0,4 % seit 2011. Weiterhin sind vor allem Kinder Alleinerziehender sowie Kinder in Familien mit zwei und mehr Geschwistern überproportial betroffen. Besonders dramatisch ist, dass Armut für diese Kinder oft zum Dauerstand wird: 57 % von ihnen bezogen drei Jahre und länger staatliche Unterstützung nach dem SGB II. Regionale Unterschiede bestehen, so stieg die SGB-II-Quote im Westen leicht, im Osten sank sie.

Link zum Factsheet (8 Seiten)

Datenreport 2016 mit Schwerpunkt Migration

9. Juni 2016 - 13:18

Das Statistische Bundesamt und das Wissenschaftszentrum Berlin haben im Mai den Datenreport 2016 vorgestellt. Interessant im Kontext von Armut sind vor allem die Kapitel 6 und 7 zu den Einnahmen und Ausgaben privater Haushalte sowie zur sozialen Mobilität. Aber auch in den anderen Kapiteln finden sich Hinweise auf Armuts- und Ungleichheitsfaktoren, wie bspw. in den Lebenslagenbereichen Wohnen und Gesundheit. Schwerpunkt des Reports ist dieses Mal Migration.

Link zum Datenreport 2016

DPW prangert Folgen sozialer Ungleichheit an

26. Mai 2016 - 16:00

In seinem Jahresgutachten zur sozialen Lage in Deutschland prangert der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband (DPW) die Folgen sozialer Ungleichheit in Deutschland an. Trotz positiver Arbeitsmarktbilanz wachse die soziale Ungleichheit. Dies führe u. a. zum Erfolg rechtspopulistischer Strömungen. Die Forderung: Gleiche Teilhabechancen ermöglichen,  u. a. im Rahmen einer bedürfnisorientierten Beschäftigungspolitik, durch die Erhöhung der Regelsätze nach SGB II und XII sowie die schnellstmögliche Integration von Flüchtlingen.

Link zum Jahresgutachten des DPW

Die Mittelschicht schrumpft in Deutschland wie in den USA weiter

7. Mai 2016 - 15:51

Nach einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW) schrumpft die Mittelschicht in Deutschland wie in den USA seit Jahrzehnten. 2013 waren es in Deutschland nur noch 54 %, die der Mittelschicht nach ihrem Einkommen zugerechnet wurden (d. h. sie verdienten zwischen 67 und 200 % des durchschnittlichen Einkommens). Ursächlich sind lt. der Studie v. a. die Arbeitsmarktreformen Anfang der Nullerjahre durch das Anwachsen des Niedrigeinkommensbereiches. Maßnahmen dagegen wären lt. DIW u. a. eine offensivere  Lohnpolitik sowie Anreize für die Überführung von in der Regel schlecht entlohnten Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse.

DIW-Report Nr. 18/2016 mit den Ergebnissen der Studie

Armut im Alter steigt – mehr GrundsicherungsempfängerInnen im Alter

20. April 2016 - 14:58

Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, ist die Zahl der GrundsicherungsempfängerInnen im Alter und bei Erwerbsminderung weiter gestiegen. So bezogen im Dezember 2015 rund 1 038 000 Personen ab 18 Jahren Leistungen der Grundsicherung, davon jedeR Zweite die Grundsicherung im Alter. Dies ist ein Anstieg um 3,5 % in einem Jahr und setzt den Trend seit 2009 fort. Zwar sind ältere Menschen zz. noch unterdurchschnittlich von Einkommensarmut betroffen, die steigende Zahl der GrundsicherungsempfängerInnen im Alter stützt jedoch die These vieler ArmutsforscherInnen, dass sich für die Zukunft eine Altersarmut in Deutschland abzeichnet.

Link zur Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts vom 19.4.16